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Straßenbahn in Jerusalem

Die Straßenbahn zählt zu den wichtigsten Fortbewegungsmitteln im Öffentlichen Personennahverkehr von Jerusalem. Das ältere Straßenbahnsystem von Jerusalem, das aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt, wurde jüngst durch die Stadtbahn ersetzt. Sie wurde im August 2011 eröffnet und besteht zurzeit nur aus einer Linie, die zwischen dem Herzlberg und Pisgat Ze’ev verkehrt. Die Stadtbahnstrecke umfasst insgesamt 13,8 Kilometer und stoppt an 23 Haltestellen. Höhepunkt der Route ist die Calatrava-Brücke. Die 118 Meter hohe Hängebrücke wurde vom spanischen Architekten Santiago Calatrava gestaltet und 2008 in Betrieb genommen. Sie ist für Fußgänger und die Straßenbahn reserviert.


Älterer Schienennahverkehr in Jerusalem

Bereits seit den 1890er Jahren wurde die Anlegung eines Straßenbahnnetzes in Jerusalem geplant. 1914 wurde dem Bau einer Straßenbahn von den osmanischen Behörden zugestimmt und die Konzession an ein griechisches Unternehmen vergeben. Aufgrund des Ersten Weltkriegs kam es aber nicht zum Bau. Als Palästina britisches Mandatsgebiet wurde vergaben die Behörden das Bauvorhaben an ein britisches Unternehmen, mussten diese Entscheidung nach einem Urteil des Internationalen Gerichtshofes von 1924 zurücknehmen. Die bis zu diesem Zeitpunkt gebaute 30 Kilometer lange Straßenbahnstrecke wurde von einer dampfbetriebenen Schmalspurbahn befahren. Mangels Nachfrage musste der Betrieb aber bald wieder eingestellt werden.

Planung und Bau der Stadtbahn

Auf das Bevölkerungswachstum und das erhöhte Verkehrsaufkommen reagierte die Stadt Jerusalem zunächst nur mit dem Ausbau der Stadtautobahnen. Der öffentliche Personennahverkehr wurde ausschließlich von Bussen besorgt. 1995 wurde dann mit den Arbeiten an der Stadtbahn begonnen, die aber wegen der erforderlichen Veränderung des Wasserversorgungssystems bis zum Jahr 2000 verschoben werden mussten. Planungsfehler, Kostenexplosion, archäologische Ausgrabungen und der Streit um den Trassenverlauf verzögerten das Projekt weiter, so dass erst 2005 mit dem Verlegen der Gleise begonnen werden konnte. 2008 waren bereits alle bestellten Züge ausgeliefert worden, während die Strecke erst zur Hälfte fertig war. Nach dem Probebetrieb in 2010 wurde die Stadtbahn im August 2011 offiziell in Betrieb genommen.

Straßenbahn in Jerusalem

Straßenbahn in Jerusalem ©iStockphoto/liorpt

Streckenverlauf

Die Stadtbahn beginnt im Norden Jerusalem im Stadtteil Pisgat Ze’ev und fährt von dort bis Beit’ Hanina. Dort überquert die Trasse die Stadtautobahn und durchquert den arabischen Stadtteil Shuafat. Danach wird die Bahnstrecke entlang der Demarkationslinie zwischen West- und Ostjerusalem entlang geführt von den Stationen French Hill bis zum Damaskustor. Über die folgenden Stationen erreicht man die Fußgängerzone in der Jaffastraße und den Hauptbahnhof. Danach fährt die Stadtbahn Richtung Süden weiter und überquert die Calatrava-Brücke. Mount Herzl bildet die Endstation.


Kontroversen um die Stadtbahn

Die palästinensische Autonomiebehörde protestierte erfolglos gegen den Bau der Stadtbahn, da auch zu Ostjerusalem gehörige arabische Stadtteile einbezogen wurden. Wegen des Boykottaufrufs von palästinensischer Seite geriet das französische Unternehmen, das den Bau ausführte, in finanzielle Schwierigkeiten. Nach der Fertigstellung tauchten Forderungen auf, jüdische und arabische Fahrgäste zu separieren. Radikale jüdische Sekten forderten außerdem eine Geschlechtertrennung. Beide Forderungen wurden nicht umgesetzt.

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